Historischer Triumph: Mirko Kammel erster deutscher Nacht-Trial-Sieger seit 1992 / Über 1.100 Zuschauer feiern sommerliche Trial-Party in Uslar-Fürstenhagen

Uslar-Fürstenhagen, 28. Juli 2013 – Beim letzten Nacht-Trial vor zwei Jahren fehlte nur ein winziger Punkt. Doch diesmal lässt Mirko Kammel bei Temperaturen jenseits der 30 Grad nichts anbrennen. Mit klarem Vorsprung gewinnt der 21Jährige vom Motorsportclub Brake das 17. Internationale ADAC Nacht-Trial des MSC Weser-Solling in Uslar-Fürstenhagen. Dem Bielefelder gelingt damit vor über 1.100 Zuschauern ein historischer Sieg. Zum ersten Mal seit 1992 steht ein deutscher Pilot beim wichtigsten deutschen Outdoor-Trial ganz oben auf dem Siegertreppchen. Auch die Plätze zwei und drei sicherten sich mit Jan Junklewitz und Franzi Kadlec einheimische Fahrer.

Kammel, Deutscher Meister von 2010, hielt sich vor dem Start bedeckt: „Die Top 3 sollten drin sein“; sagte der Sportsoldat leicht angespannt. Im Ziel folgte der innigen Umarmung mit der Freundin ein strahlendes Lächeln: „Ich habe es vorher nicht zugegeben, aber nach der knappen Niederlage 2011 wollte ich heute gewinnen. Es gibt hier in Fürstenhagen eine große Ehrentafel mit den Siegern seit 1986. Da wollte ich schon immer unbedingt drauf“, sagte der Sportsoldat nach der Zieldurchfahrt. Umgehend stellte er sich schweißüberströmt zum privaten Fototermin vor die große Liste der Sieger.

Kammel

Sieger des Nachttrials in Fürstenhagen 2013: Mirco Kammel.

Dabei hätte der Start in das Nacht-Trial 2013 für Kammel kaum schlechter laufen können. Nach nur einem Meter Fahrt scheiterte er auf seiner spanischen Jotagas 300 spektakulär am ersten großen Felshindernis und schrie seinen Frust in die anbrechende Dunkelheit. „Wahrscheinlich wollte ich mir damit gleich den Druck nehmen“, kommentierte der Sportsoldat selbstironisch den missglückten Einstieg. Drei Runden brauchte Kammel, bis er an Jan Junklewitz aus Enger bei Bielefeld vorbeiziehen konnte. Im vierten und letzten Durchgang über die sechs Hindernissektionen hielt er den Vorsprung und gewann mit sechs Punkten Abstand vor Junklewitz und dem erst 16jährigen Nachwuchstalent Franzi Kadlec aus dem bayerischen Beiersbeuren.

Am anderen Ende der Tabelle gab es ebenfalls ein strahlendes Gesicht. Der 17jährige Manfred Sustrate aus Fürstenhagen hatte allen Mut zusammen genommen und sich als erster Fahrer des MSC Weser-Solling überhaupt zum Nacht-Trial angemeldet. Im Feld der zwölf Spitzenpiloten aus fünf Ländern kämpfte er sich mit seiner GasGas durch die Hitze der Sommernacht bis ins Ziel. „Ich bin wirklich froh, dass ich mitgemacht habe“, sagte er nach dem Rennen. „Es waren so viele Zuschauer. Das hat mich etwas nervös gemacht. Die Fahrt mit den Spitzenfahrern hat mir sehr viel Selbstbewusstsein gegeben. Davon werde ich profitieren.“ Sustrates Leistung ist besonders bemerkenswert, weil er als Junior nur mit einer leistungsschwächeren 125 ccm-Maschine antreten durfte.

Manfred Sustrate

Der Fürstenhagener Manfred Sustrate nach seinem Lauf beim Interview.

Bis weit nach Mitternacht stand das Publikum vor dem großen Felsbrocken, der in Fürstenhagen traditionell als Siegerpodest dient, und hörte den Fahrerinterviews zu. Dietrich Siemon, sowohl Fahrtleiter des Nacht-Trial als auch Erster Vorsitzender des MSC Weser-Solling, war die Freude über die gelungene Veranstaltung anzusehen: „Das war wieder eine tolle Trial-Party. Trotz des trockenen Wetters und des griffigen Untergrundes haben wir es geschafft, den Fahrern einen anspruchsvollen Parcours hinzu stellen, an dem auch die Spitzenfahrer zu knabbern hatten. Der erste deutsche Sieg seit mehr als zwanzig Jahren und der erste Start eines MSC-Fahrers machen das 17. Nacht-Trial besonders. Herzlichen Dank auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer!“

Rund 100 Personen waren in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag im Einsatz. Neben den Mitgliedern des MSC Weser-Solling halfen auch die Freiwillige Feuerwehr Fürstenhagen, das Deutsche Rote Kreuz aus Uslar und das Technische Hilfswerk aus Bad Lauterberg, das von der MSC-Crew gegen 2.30 Uhr traditionell mit Spalier und La Ola in die Nacht verabschiedet wurde.

Das Nacht-Trial des MSC Weser-Solling in Uslar-Fürstenhagen

Trial-Piloten sind die Akrobaten, Kletterer und Strategen des Motorradsports. Beim Trial gewinnt, wer mit seinem Motorrad schwierige Geländeabschnitte fehlerfrei meistert. Mit Körperbeherrschung und Gespür für die millimetergenaue Linie suchen Trialfahrer den besten Weg über Hindernisse und die perfekte Einheit mit ihrem rund 70 Kilogramm leichten Motorrad. Körperkontakt mit Hindernissen oder Bodenberührung mit den Füßen führen zu Strafpunkten. Geschwindigkeit spielt keine Rolle, es gibt lediglich ein Limit für die Fahrzeit. Schon am Tage ist Trial die hohe Schule des Motorradfahrens. Umso schwieriger ist die Fahrt durch die Nacht.

Ergebnis: 17. Internationales ADAC Nacht-Trial
des MSC Weser-Solling Uslar-Fürstenhagen e. V. am 27. Juli 2013

1. Mirco Kammel, Jotagas, Bielefeld, 19 Strafpunkte

2. Jan Junklewitz, Sherco, Enger, 25

3. Franzi Kadlec, GasGas, Reichersbeuern, 37

4. Jonas Widschwendter, Sherco, Österreich, 40

5. Michel Schulte, GasGas, Melle, 41

6. Christian Kregeloh, Ossa, Schwelm, 55

7. Markus Schütte, Beta, Bielefeld, 56

8. Pavel Balas, GasGas, Tschechien, 56

9. Ewoud Lalkens, GasGas, Niederlande, 61

10. Martin Lagergren, Sherco, Schweden, 80

11. Tim Stuckmann, GasGas, Bad Salzuflen, 97

12. Manfred Sustrate, GasGas, Uslar-Fürstenhagen, 103

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